Karlsgarten Melaten , D 52056 Aachen ( zuletzt geändert : 03.03.2012 13:42:11 )

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Adresse:
Karlsgarten Melaten
Dr. K.J. Strank
Schneebergweg 30,
D- 52056 Aachen
Telefon : +49-171-2709258    
Email : info@biozac.de
Webseite: http://www.biozac.de/biozac/capvil/karl_f.htm

Der Karlsgarten nach dem "Capitulare de villis" Karls des Großen liegt im Westen von Aachen im Gelände bei Gut Melaten, das dem Freundeskreis Botanischer Garten Aachen in langfristiger Pacht übertragen wurde. Er ist kein historischer Garten da es keine Überlieferung gibt, dass ein Garten im Mittelalter tatsächlich in dieser oder einer ähnlichen Ausführung existiert hat. Er erinnert an Karl den Großen, der durch Reformen und Gesetzestexte (Capitularien) sein Reich von Grund auf erneuerte. Das bekannteste und in seiner Nachwirkung bedeutendste Werk dieser Art ist das „Capitulare de villis vel curtis imperialibus". Im 70. Kapitel der Verordnung sind über 90 Pflanzen aufgelistet, die auf jedem königlichen Hofgut verfügbar sein sollten.

Hinter dem Gut Melaten nimmt der Karlsgarten die Gebäudefluchten des historischen Gutes auf. Das Areal ist umgrenzt mit einer geschnittenen Hecke aus Buchen, in der an markanten Stellen ausgearbeitete Fenster Ausblicke in die Landschaft freigeben. Zu Melaten hin ist der Garten offen und nur durch einen Zaun abgegrenzt. An dieser Seite ist er schräg abgeschnitten. Dies entspricht der vorhandenen Hof- und Wegeführung, macht aber deutlich, dass es sich beim Karlsgarten nicht um die historisierende Nachempfindung eines symmetrischen, formal geschnittenen Gartens sondern um eine zeitgemäße Ausgestaltung handelt. Innen werden in 2 Meter breiten Beeten die Kräuter und Stauden mit je nach Wuchsstärke unterschiedlichem Platzbedarf genau in der Folge aufgereiht wie sie im Verzeichnis des Capitulare genannt sind. ´Gelesen´ wird dieser Teil des Gartens wie ein Buch: die Liste der Kräuter und Stauden des 70. Kapitels des Capitulare fortlaufend von Nummer 1 bis 73 und dann weiter in der Reihenfolge die genannten Obst- und Fruchtgehölze, die sich entlang der äußeren Buchenhecke aufreihen. Das regelmäßige Raster der Kräuterbeete wird diagonal vom Hauptweg diagonal durchschnitten, der so eine Spannung aufbaut, die aufmerken lässt.

Öffnungszeiten :
Der Garten ist frei zugänglich. Der Zugang ist vom Rabentalweg über die Obstwiese und von Gut Melaten aus möglich.

Angebote :
Im Zentrum, wo Diagonalweg und Beete sich kreuzen, entstand aus schmalen, hohen Hecken aus Eibe eine Art Laube. Dort findet sich eine Informationstafel, Bänke laden zum Verweilen ein, und eine Zisterne zur Bewässerung wurde eingebaut.
Führungen sind möglich, bei Interesse Anmeldung bei Herrn Dr. Strank (Telefon siehe Adresseangabe).

Zusatzinfo :
Die Verdienste Karls des Grossen für die Gartenkultur lassen sich sehr konkret aufgrund der Pflanzenliste im 70. Kapitel des „Capitulare de villis“ belegen. Deren gärtnerische Nachwirkung ist bis heute spürbar, was an den typischen Pflanzen eines Bauerngartens ablesbar ist. Viele dieser Gärten sind inzwischen in den Freilichtmuseen zu finden, in einigen ländlichen Gebieten werden sie aber noch traditionell kultiviert.

Karl der Große zog als fränkischer König wie seine Vorfahren ständig mit großem Tross von Pfalz zu Pfalz. Vergleichsweise reiste er so im Laufe seines Lebens dreimal um die Erde und benötigte hierzu flächendeckend ein Netz gut organisierter Stützpunkte wie die Pfalzen, Klöster und Hofgüter. Mit dem Capitulare regelte er Verwaltung und Bewirtschaftung der Hofgüter und sicherte das Königliche Einkommen. Sein Hauptanliegen war, jederzeit zuverlässig mit Lieferungen aus den königlichen Domänen für den Unterhalt seines Hofes und das Heer rechnen zu können. Der König sorgte aber in gleicher Weise wie um seine Güter und sein Auskommen auch für das Wohlergehen und den Wohlstand seiner Untertanen. Er war bemüht, ihnen allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Mönche als Berater und Beamte der kaiserlichen Kanzlei haben das Capitulare verfasst. Für die Zusammenstellung der Pflanzenliste haben sie aus den Büchern über das Wissen antiker Autoren, wie Dioskorides und Plinius, ebenso geschöpft wie aus der langen Erfahrung und Kulturtradition klösterlicher Gärten und Gärtner.



 

 

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